Im Jahre 2009 fand in Bonn zum ersten Mal der Dunkelsüß Lolita-Markt statt, mit dem Anspruch den Liebhabern dieser Mode eine eigene kleine Messe zu geben, auf der junge Modelabel sich vorstellen und alle Interessierten sich informieren und mit Kleidung und Accessoires eindecken können. Als Macher haben wir uns natürlich noch mehr überlegt und hinter den Kulissen für Wochen gewerkelt und geplant. Und dabei ist auch ein Vortrag mit Präsentation entstanden, den ich am gesamten Markt-Wochenende mehrmals vor wechselndem Publikum vortragen durfte.
Scarletsedusa hat dafür eine wunderschöne Präsentation aus unseren Bildern und Stichpunkten gebastelt (Sie kann wirklich beeindruckend gut mit Powerpoint!) und ich habe einen Vortrag dazu geschrieben. Diesen habe ich umgearbeitet und in Themenblöcke eingeteilt, die ich nach und nach hier veröffentlichen werde. Der nächste Einsatz der Powerpoint-Präsentation kommt auf der AnimagiC 2010!
Der folgende Beitrag soll einen Vorgeshcmack auf den Vortrag am kommenden Wochenende geben.
Auch für Leute die den Vortrag auf dem letzten Dunkelsüß-Markt gehört haben, heißt das jetzt nicht automatisch, dass sie den folgenden Artikel überspringen sollten!
Denn ich habe den Originaltext wirklich großzügig überarbeitet um ihn an das neue Medium anzupassen. Nicht alles, das sich gut liest, lässt sich auch gut vortragen und umgekehrt.
Ich habe den Vortrag in folgende Artikel neu eingeteilt:
1. Teil: Was ist Lolita-Mode und wo kommt sie her?
2. Teil: Was sind „Stile“ ?
Und den letzten Teil, der hauptsächlich aus Beispielfragen mit Antworten bestand, habe ich durch einen persönlichen Erfahrungsbericht ergänzt. Denn schließlich sollten mehr als acht Jahre Beschäftigung mit dieser Mode auch zu etwas gut sein, außer einem überfüllten Kleiderschrank. (Und nichts zum Anziehen hat frau ja trotzdem immer!)
Demnach Teil 3: Und was wenn.....?
Was ist eigentlich Lolita-Mode?
Wenn ich in einem Satz zusammenfassen müsste, was Lolita-Mode ist, würde ich sagen: ein historisierender Kleidungsstil, dessen Ziel es ist ein puppenhaftes Aussehen zu erreichen.
Historisierend ist diese Mode, weil sie vor allem an europäische Geschichte angelehnt ist und Elemente aus den Stilen vergangener Epochen aufnimmt.
Entstanden ist diese Moderichtung in Japan in den 1970er bis 1980er Jahren und hat sich bis heute stark weiterentwickelt. Hier in Europa kam der große Boom in etwa um die Jahrtausendwende.
Mittlerweile kann man Lolita in viele verschiedene Stil-Untergruppen einteilen, auf die ich später eingehe. Diese sogenannten Stile müssen als Kategorien entstanden sein, als Lolita-Mode immer facettenreicher wurde und bieten bis heute ein gutes Hilfsmittel zur Beschreibung. Sie ermöglichen es die Beschreibung eines Outfits genauer zu machen, da man in den Kategorien eine Eingrenzung dessen vornimmt, was in der Mode grundsätzlich möglich ist. Um es kurz zu sagen, man nimmt einen Teil vom großen Ganzen um den Bereich besser einzugrenzen. So steht z. B. der Stil Sailor Lolita für Kleidung im Lolita-Stil, die sich an Matrosenkleidung orientiert. Anstatt zu sagen ich trage Lolita-Mode und habe mir ein Outfit zusammengestellt, dass an Matrosenkleidung erinnert, kann ich auch einfach sagen: „Ich trage Sailor Lolita“. Kurz und knapp.
Insgesamt wird viel Wert auf Sorgfalt, Qualität der Materialien und Zurückhaltung, im Gegensatz zu Freizügigkeit, gelegt.
Wenn man sich einige Lolita-Outfits ansieht, dann wird man feststellen, dass insgesamt sehr wenig Haut gezeigt wird. Kleider werden nie über tiefe Ausschnitte verfügen und die Rocklänge wird deutlich länger sein als die moderner Mini-Röcke.
Die typische Silhouette eines Lolita-Outfits setzt sich zusammen aus einem etwa knielangen, glockenförmig ausgestellten Rock, einem figurnah geschnittenem Oberteil, häufig mit Puffärmeln, aber immer hochgeschlossen, und einer Frisur mit Accessoires wie Hüten oder Schleifen oder anderem. Außerdem wichtig sind blickdichte Strümpfe, elegante oder niedliche Schuhe, ein Petticoat und ein Paar Bloomer.
Die Anleihen dieser Moderichtung reichen zurück über das viktorianische Zeitalter bis hinein zum Barock und Rokoko.
Aus dem Barock und Rokoko stammen z. B. Elemente wie ellenbogenlange Ärmel, Stehkragen, eckige Ausschnitte, Verzierungen mit vielen Schleifen und noch einige andere mehr.
Aus der viktorianischen Zeit sind vorallem die farbigen Strümpfe entlehnt, Kopfbedeckungen wie Bonnets und Zylinder, Matrosenkleider, geraffte Röcke mit Schößchen etc.
Dass die Designer von Lolita-Mode sich tatsächlich von früheren Epochen inspirieren lassen, kann man meiner Meinung nach am besten mit Bildvergleichen illustrieren.
Einer meiner liebsten Vergleiche dabei ist der Carrick des König Ludwig I. Von Bayern und einem Mantel aus der Herbst/Winter-Kollektion von 2004 der japanischen Lolita-Marke Metamorphose temps de Fille.
Doch die Entwicklung ist damit noch nicht abgeschlossen. Mittlerweile zählt ja auch schon das 20. Jahrhundert zur Geschichte und wird auch heute schon als historisches Element integriert, wie ein paar Beispiele zeigen, die sich auf die 60er Jahre beziehen, die Punk-Mode, oder die 80er und 90er Jahre.
Außer auf tatsächlich historische Elemente nimmt Lolita-Mode aber auch Bezug auf ganz bestimmte Motive, die häufig aus Märchen stammen. Märchen wie Schneewittchen, Rotkäppchen oder Dornröschen geben immer wieder Inspiration für neue Kollektionen.
Eine ganz bedeutende Rolle nimmt dabei Alice im Wunderland ein. Alice-Motive finden sich mit Abstand am häufigsten, wie z. B. die Figuren aus der Geschichte selbst oder Spielkartenmotive und Kronen.
Lolita ist eine sehr romantische und verspielte Moderichtung, deren Zielgruppe hauptsächlich junge Frauen und Mädchen sind. Doch auch außerhalb dieser Hauptzielgruppe gibt es viele Liebhaber der Mode, weshalb einige Marken spezielle Männerlinien eingeführt haben. So produziert z. B. das japanische Label Alice and the Pirates, dass als Sub-Label von Baby, the Stars Shine Bright entstanden ist und Kleidung in Anlehnung an Piraten macht (Fluch der Karibik lässt grüßen!), bestimmte Kleidungsstücke sowohl in Herren- als auch Damengröße. Und eine Altersbegrenzung um modisch zu sein, gibt es grundsätzlich nie!
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Donnerstag, 17. Juni 2010
Mittwoch, 21. Oktober 2009
Flohmarkt-Tipps
Heute möchte ich über etwas schreiben, dass eher am Rande mit Lolita-Mode zu tun hat.
Und was ist euer liebster Flohmarkt? Habt ihr noch Flohmarkt-Tipps für andere?
Denn am letzten Samstag besuchte ich einen großen Flohmarkt, in der Hoffnung mal wieder auf tolle Schnäppchen und unerwartete Funde zu stoßen. Und wie so oft, wurde ich auch diesmal nicht enttäuscht. Ich besuche Leidenschaftlich gerne Flohmärkte, weil man nie weiß, was man dort finden wird. Und deshalb wird man so häufig freudig überrascht. Und die Freude über einen ganz unerwarteten Fund, den man sich vielleicht sogar schon lange wünschte, ist ungleich größer, wenn er überraschend wie ein Geburtstagsgeschenk daherkommt.
Ich sehe mich nicht im Geringsten als Experte für Flohmärkte. Um ehrlich zu sein bin ich nicht mal ein Schnäppchenjäger, ich stehe nur sehr ungern früh auf, um anderen Leuten Dinge vor der Nase weg zu kaufen. Ich sehe es mehr als Wochenendspaziergang mit Überraschungseffekt.
Trotzdem sind mir mit den Jahren ein paar Dinge aufgefallen die man bedenken sollte, wenn man Dinge wie Schmuck, Kleidung oder Einrichtungsgegenstände sucht. Und ich gehe jetzt in erster Linie mal von diesen Dingen aus, schließlich ist das hier ja auch ein Mode-Blog.
Ist man also allein auf der Suche nach Schnäppchen, sollte man natürlich so früh wie nur möglich am Markt erscheinen. Wenn es aber nur um den Spaß an der Freud geht, macht es nichts, wenn man vielleicht etwas, oder auch um einiges später dort erscheint.
(Ein Teil meiner Flohmarktfunde vom Wochenende! Zwei Paar Spitzenhandschuhe, eine Brosche und ein Gürtel.)
Als erstes empfiehlt es sich die Flohmärkte in der näheren Umgebung einmal gründlich unter die Lupe zu nehmen. Denn es gibt solche und solche Flohmärkte. Einige sind durchsetzt von Händlerständen, die im schlimmsten Falle alle und an jeder Ecke das gleiche anbieten. Doch wir sind auf der Suche nach Märkten mit möglichst vielen Privathändlern, Kitsch, Tand und Trödel.
Hat man erstmal solch einen Markt in der Umgebung ausgemacht, am besten alle Daten vorab notieren und im Kalender eintragen. Zumindest für Leute wie mich sehr praktisch, die sonst alle Termine in kürzester Zeit wieder vergessen haben.
Am Tag vor dem Markt sollte man immer einen Wetterbericht zu Rate ziehen und sich ein Outfit für den nächsten Tag zurechtlegen. Es sollte auf jeden Fall bequeme Schuhe beinhalten, die an Wetter und Untergrund des Platzes angepasst sind. Außerdem hat man im besten Falle schon ein paar Tüten und Beutel parat. Nicht jeder Verkäufer hat Tüten am Stand, was wir Einzelhandelsverwöhnten durchaus manchmal vergessen. Je nach Wetter sollte man auch Handschuhe, Mütze und Schirm einpacken.
Am Tag vor dem Markt sollte man immer einen Wetterbericht zu Rate ziehen und sich ein Outfit für den nächsten Tag zurechtlegen. Es sollte auf jeden Fall bequeme Schuhe beinhalten, die an Wetter und Untergrund des Platzes angepasst sind. Außerdem hat man im besten Falle schon ein paar Tüten und Beutel parat. Nicht jeder Verkäufer hat Tüten am Stand, was wir Einzelhandelsverwöhnten durchaus manchmal vergessen. Je nach Wetter sollte man auch Handschuhe, Mütze und Schirm einpacken.
Kommt man dann am Markt an, bietet sich einem meist ein Bild von scheinbarem Chaos. Wo geht es hier lang, welche Richtung soll ich nehmen?
Ich habe bisher nicht feststellen können, dass eine Methode besser wäre als die andere, ob man nun erstmal außen lang geht, oder direkt durch die Mitte. Allerdings ist es immer sinnvoll erst einmal zu überlegen, ob der Markt Reihen hat, die man in irgendeiner sinnvollen Reihenfolge ablaufen könnte. Ansonsten verlasst euch einfach auf euren Instinkt!
Schlendert wenn möglich langsam und nah an den Ständen vorbei, damit ihr genug Zeit habt zu überblicken, ob irgendetwas euch mehr anzieht und noch einen zweiten Blick wert ist.
Habt ihr etwas gefunden, handelt ruhig! Aber macht es mit Charme und Freundlichkeit. Bietet keine unverschämt niedrigen Preise und achtet darauf, ob euer Verhandlungspartner bereitwillig mitmacht. Reagiert er oder sie gereizt, wisst ihr dass ihr schnell zu einer Entscheidung kommen solltet. Aber überlegt euch ruhig vorher, was das Teil euch maximal Wert ist und bei welchem Preis ihr ein Schnäppchen machen würdet. Manchmal lohnt es sich nicht zu handeln, oder der Preis ist bereits sehr gut. Denn man sollte sich immer bewusst sein, dass die Verkäufer nicht nur Standgebühren von ihren Einnamen bezahlen müssen, sondern auch dass der Neupreis ein ganz anderer war und ihr selbst sicherlich auch nicht nur Verlust machen wollen würdet. Ich persönlich habe auch einige Erfahrung im Verkauf und halte nichts von Leuten, die z.B. Kindern ihre alten Kleidungsstücke für 75Cent das Stück abluchsen wollen und ähnliches.
Am besten kann man handeln wenn man freundlich bleibt und vielleicht mehr als ein Teil kauft. So kann man z.B. fragen, ob man die beiden Teile für je 2€ zusammen für 3€ oder 3,50€ bekommt. Meistens bekommt man diesen Rabatt, weil Verkäufer froh sind, wenn sie direkt mehrere Teile nicht mehr mit zurück schleppen müssen. Umso mehr man an einem Stand kauft, umso bereitwilliger lassen Verkäufer mit sich handeln. Schaut euch also zuerst in Ruhe am ganzen Stand um, bevor ihr bezahlt. Und behaltet auf jeden Fall in der Hand, was ihr sicher nehmen wollt! Ansonsten kann euer Teil ganz schnell an einen anderen verkauft worden sein, bevor ihr es bemerkt. Vor allem, wenn es vorher vielleicht an schlecht einsehbaren Stelle lag und ihr andere durch euer Interesse darauf aufmerksam gemacht habt. Ist mir alles schon passiert!
Manchmal haben auch solche Stände wahre Schätze, die von weitem eventuell noch völlig uninteressant aussahen. Und traut euch nach dem Preis zu fragen wenn euch etwas interessiert, egal worum es geht! Selbst wenn der Preis für euch viel zu hoch ist, bekommt ihr so langsam ein Gefühl dafür, welche Preisspanne für welches Teil normal ist. Dann könnt ihr schon nach kurzer Zeit Wucher vom Schnäppchen unterscheiden. Nicht direkt das erste nehmen, wenn es sich nicht um etwas völlig einmaliges oder äußerst seltenes handelt. Zylinder gibt es z.B. häufiger und auch gehäkelte Handschuhe.
(Buch über Vivienne Westwood, eine alte, elegante Pelzkappe und goldene Glitzerstrumpfhosen.)
Manchmal haben auch solche Stände wahre Schätze, die von weitem eventuell noch völlig uninteressant aussahen. Und traut euch nach dem Preis zu fragen wenn euch etwas interessiert, egal worum es geht! Selbst wenn der Preis für euch viel zu hoch ist, bekommt ihr so langsam ein Gefühl dafür, welche Preisspanne für welches Teil normal ist. Dann könnt ihr schon nach kurzer Zeit Wucher vom Schnäppchen unterscheiden. Nicht direkt das erste nehmen, wenn es sich nicht um etwas völlig einmaliges oder äußerst seltenes handelt. Zylinder gibt es z.B. häufiger und auch gehäkelte Handschuhe.
Fragt nach, wenn ihr etwas anprobieren wollt. Vielleicht passt das Teil euch ja gar nicht, dass ihr euch gerade auserkoren habt. Dann müsst ihr euch euch gar nicht erst Mühe geben den Preis zu verhandeln.
Hat der Artikel Schäden, weist direkt am Stand darauf hin. Eventuell gibt es Nachlass im Preis. Und wenn ihr Angst habt die Schäden seien zu groß, der Verkäufer trotz Schäden einen zu hohen Preis will, oder wenn ihr glaubt die Schäden nicht beseitigen zu können, lasst es lieber da! Man hat nicht allzu viel Freude an einem untragbaren Kleid, wenn es nicht rauswaschbare Flecken hat.
Und wägt euren Arbeitsaufwand immer gegen den Einkaufspreis ab. Manchmal lohnt sich eine aufwendige Restauration nicht.
Flohmarkttermine kann man meist in der lokalen Zeitung lesen, oder man googelt einfach mal nach Flohmarktterminen im Internet.
Mein liebster Flohmarkt ist nach wie vor der Sprödental-Flohmarkt in Krefeld. Es gibt keinerlei gewerbliche Händler, nur Privatverkäufer, Eis, gebrannte Nüsse, Zuckerwatte und ein Karussell für Kinder.
Gutes habe ich auch häufig vom Rheinauen-Flohmarkt in Bonn gehört, selbst aber leider nie mehr als eine Brosche und ein Eis (Geschmack Pokemon-Mango!) dort gekauft.
Und was ist euer liebster Flohmarkt? Habt ihr noch Flohmarkt-Tipps für andere?
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